1. September 2012  

Verbesserte Diagnostik bei Insektengift-Allergie 

Bis zu 3,5 % der Bevölkerung reagieren auf Stiche von Bienen oder Wespen mit akuten Symptomen des Immunsystems (Anaphylaxie). Insbesondere schwere anaphylaktische Reaktionen können zu bleibenden Körperschäden oder zum Tod führen. Eine allergen-spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, kann heute über 90 % der Betroffenen vor weiteren systemischen Reaktionen auf erneute Stiche schützen. 

 

Um eine Insektengift-Allergie zu diagnostizieren, wenden die Allergologen neben der Anamnese Routine-Tests wie Haut- oder Bluttests zur Bestimmung spezifischer Immunglobulin E (IgE)-Antiköper auf Gesamtinsektengifte an. Diese Untersuchungen können manchmal bei Bienen- und Wespengift ein positives Resultat hervorrufen, obwohl nur eines der beiden Insekten bei den Betroffenen die gefährliche Reaktion auslöst. Damit wissen die Ärzte oft nicht, gegen welches Insektengift sie eine Hyposensibilisierung durchführen sollen. 

Um die Entscheidung zu erleichtern und unnötige Immuntherapien mit beiden Insektengiften zu vermeiden, entwickelten die Forscher um Prof. Bernadette Eberlein, Prof. Markus Ollert, Prof. Ulf Darsow und Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring von der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München vom Forschungsbereich C von CK-CARE neue Testverfahren. Zum einen verwendeten die Wissenschaftler einen zellulären Test mit basophilen Granulozyten (eine Untergruppe der Leukozyten). Mit diesem Test konnten sie über Dosis-Wirkungskurven und mit der Berechnung eines speziellen Verhältnisses zwischen Giftmenge und Ausmass der Zellaktivierung die Reagibilität gegen Bienen- bzw. Wespengift in Bezug auf die klinische Reaktion besser beurteilen. Des weiteren setzten sie bei der Bestimmung der spezifischen IgE-Antikörper neue rekombinante Allergene ein. Die verbesserten Tests erleichtern die Identifizierung des allergieauslösenden Insektengifts und stellen einen grossen Fortschritt für die erfolgreiche Immuntherapie dieser lebensbedrohlichen Allergie dar. Die Tests werden an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein bei Patienten mit Verdacht auf Insektengiftallergie bereits standardmässig eingesetzt.