6. Oktober 2015  

Davoser Lehrkräfte auf der Schulbank

In einem halbtägigen Kursmodul hat sich das Lehrerkollegium der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos Hintergrundwissen zu Allergien, Asthma, Neurodermitis und Intoleranzen angeeignet, um betroffene Schüler optimal zu begleiten.

 

Das Lehrerkollegium wie auch Betreuende und weitere Mitarbeitende der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos (SAMD) wurden in einem halbtägigen Kurs über Allergien, Asthma, Neurodermitis und Intoleranzen geschult. Zu den Referenten zählten zwei Ärzte der Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang (HGK) aus den Fachbereichen Pädiatrie, Dermatologie und Allergologie. Dank dieser von aha! Allergiezentrum Schweiz gemeinsam mit der Hochgebirgsklinik Davos organisierten Weiterbildung kann das Team der Alpinen Mittelschule mit seinen rund 50 Mitarbeitenden betroffene Schülerinnen und Schüler nun optimal betreuen und begleiten. Die SAMD, eine Stiftung der Gemeinde Davos, ist die Mittelschule für die Landschaft Davos, das obere Prättigau und das Albulatal. Zur Schule gehört ein Internat, in dem Knaben und Mädchen aus der Schweiz und dem Ausland Unterkunft und intensive Betreuung finden. Insgesamt rund 240 Schülerinnen und Schüler erhalten an der SAMD ihre Ausbildung im Gymnasium oder in der Handelsmittelschule.
 
Die Zusammenarbeit zwischen der Hochgebirgsklinik und der Stiftung aha! fand im Rahmen der Aktivitäten des «Allergy Campus Davos» statt. Mit diesem Campus soll in Davos ein weltweit führendes Kompetenzzentrum für Forschung, Behandlung und Ausbildung im Allergiebereich etabliert werden. Der Standort Davos ist hierbei nicht zufällig: Das Davoser Klima ist seit 150 Jahren für seine gesundheitsfördernde Wirkung bei Atemwegserkrankungen bekannt, wie auch Thomas Manns «Zauberberg» dokumentiert. Davos liegt auf 1560 m ü.M. in einem geschützten Hochtal. In diesem einmaligen Klima können Allergien, Atemwegs- und Hautkrankheiten effizient und nachhaltig behandelt werden.

Quelle: www.aha.ch

 
2. September 2015  

Neue Leitung der Hochgebirgsklinik Davos

Markus Gautschi ist als neuer Direktor für die operative Leitung der Hochgebirgsklinik Davos verantwortlich.

Herr Markus Gautschi übernimmt am 2. September die operative Leitung der Klinik. Gautschi ist in Davos kein Unbekannter, leitete er doch als Direktor von 1995 bis 2001 das Spital Davos. Anschliessend führte er während 13 Jahren das See-Spital Horgen, welches die Akutversorgung der Bevölkerung des linken Zürichseeufers sicherstellt. Während der letzten 18 Monate war er CEO der Psychiatrischen Dienste Aargau.

Als Präsident der Schweizerischen Vereinigung der Spitaldirektorinnen und Spitaldirektoren ist er im Schweizerischen Gesundheitswesen gut vernetzt. Gautschi blieb auch nach seiner Zeit im Spital Davos immer mit Davos verbunden und freut sich, mit der Führung der Hochgebirgsklinik zum Erfolg des Allergiecampus Davos und des Gesundheitsplatzes Davos beizutragen.

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20. August 2015  

«Global Allergy Forum» – Internationaler Think Tank zum Thema Allergie

Bereits zum dritten Mal fand in Davos das von CK-CARE initiierte Global Allergy Forum statt. Vom 28. Juni bis zum 1. Juli diskutierten rund 70 weltweit renommierte Wissenschaftler aus dem Gebiet der Allergologie und verwandten Disziplinen über Herausforderungen und Lösungsansätze zum Thema «Atopische Dermatitis/Ekzem». 

Die atopische Dermatitis ist die häufigste chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Unter den allergischen Erkrankungen wird die atopische Dermatitis als Modellkrankheit betrachtet. Bei betroffenen Kindern ist vor Eintritt ins Jugendalter eine erhebliche Heilungsrate (ca. 40%) festzustellen. Es wird angenommen, dass diese natürliche Heilung zumindest teilweise auf noch zu erforschende Mechanismen zurückzuführen ist, die zu einer Immuntoleranz gegenüber Umwelteinflüssen wie Allergenen führen. Diese Mechanismen wurden bisher jedoch noch nicht systematisch untersucht. Forschungsarbeiten in diesem Bereich werden einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben.

 

In sechs Arbeitsgruppen analysierten die Teilnehmer des GAF 2015 gegenwärtige Problembereiche wie Umweltfaktoren, insbesondere deren Einfluss auf die Keimbesiedelung (Mikrobiom) der Haut, die Entwicklung und der Verlauf von atopischen Erkrankungen und Strategien zur Prävention. 

In der Arbeitsgruppe „Psycho-Neuro-Immunologische Aspekte/Juckreiz“ wurde die Bedeutung und Problematik von Juckreiz als primärem Symptom der Neurodermitis klar herausgearbeitet. Dabei bestehen grosse Defizite in der Juckreizforschung, wenn man sie mit Schmerz-Forschung vergleicht. Juckreiz wird eben in seiner Leidensdimension von vielen Nichtbetroffenen und auch von der Gesellschaft kaum ernst genommen. Fortschritte sind durch bildgebende Verfahren zu erwarten, die die Verarbeitung von Juckreiz im Gehirn sichtbar machen können und bereits überraschende Ergebnisse zur Beteiligung bislang nicht vermuteter Hirnregionen bei dieser Empfindung erbracht haben.

Unter verschiedenen Umweltfaktoren, mit denen sich die Arbeitsgruppe „Umwelt/Mikrobiom“ befasste, wurde neben Schadstoffen der Aussenluft ein Schwerpunkt auf das kutane Mikrobiom gelegt. Hier ist noch grosse Forschungsarbeit im Hinblick auf individuelle Unterschiede, auf die tatsächliche Rolle von Hautoberflächenkeimen („gut oder böse“) sowie auf mögliche therapeutische Implikationen durch äussere Applikation von probiotischen Keimen zur Unterstützung anti-entzündlicher Therapieverfahren gelegt. Auch die Beziehung zwischen diätetischen Massnahmen, Gastro-Intestinal-Trakt und Mikrobiom der Haut stellen ein neues Forschungsgebiet dar.

Die Arbeitsgruppe „Haut-Barriere“ baute auf den rapiden Fortschritten der letzten Jahre auf; insbesondere der Entdeckung der genetischen Basis durch bestimmte Mutationen, die zu Trockenheit der Haut und zur Barrierestörung führen (z. B. bewirkt eine Mutation im Gen für das epidermale Protein Filaggrin ein hohes Risiko der Entwicklung eines atopischen Ekzems). Die Gruppe forderte weitere Forschung zur besseren und standardisierten Messung der Barrierefunktion in der täglichen klinischen Routine sowie zu Interventionsstudien zur Korrektur der gestörten Barriere (Stichwort: Hautpflege). 

Die Arbeitsgruppe „Epidemiologie und Standardisierung“ befasste sich mit den Methoden der epidemiologischen Forschung, wobei Verbesserungen der Messinstrumente zur Diagnostik der Erkrankung aber auch zur Messung des Schweregrades des Ekzems. Ausgangspunkt dieser Untersuchungen sollte eine Datenbasis für Neurodermitis auf Populationsebene sein. Eine solche existiert derzeit noch nicht. Ebenso wichtig erscheint eine klare Definition von Untergruppen der Erkrankung sowie der Rolle von pränatalen Einflüssen und Effekten verschiedener Interventionsprogramme. Versorgungsforschung auf dem Gebiet der Neurodermitis erscheint vordringlich. Es fehlt auch an grundlegendem epidemiologischem Wissen in der Ärzteschaft.

In einer Arbeitsgruppe „Immundeviation“ wurde die Bedeutung immunologischer aber auch pharmakologischer Forschung zur Korrektur bzw. Behebung der fehlgeleiteten Immunreaktion betont. Dazu gehören auch Untersuchungen zu Komorbiditäten, d. h. gleichzeitigem Auftreten anderer Erkrankungen. Neue Überlegungen zur Therapie schliessen Biologika mit ein, wie z. B. einen Antikörper gegen den Interleukin 4-Rezeptor, aber auch Inhibitoren von Kinasen bzw. Phosphodiesterasen. Die Induktion einer immunologischen Toleranz gegen häufige Allergene bleibt ein Fernziel. Ermutigende Ergebnisse einer Allergen-spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) liegen auch bei Neurodermitis vor.

Eine weitere Gruppe beschäftigte sich intensiv mit der enormen Kluft zwischen dem wissenschaftlichen Fortschritt in der Dermatologie und Allergologie und der Umsetzung des Wissens in die Alltagsarbeit von Ärzten und in das Leben der Patienten. Es besteht ein Informationsmangel für relevante Zielgruppen wie behandelnden Ärzte, medizinische Fachpersonen, Patientenorganisationen und nicht zuletzt politische Entscheidungsträger. Daher ist es zwingend erforderlich, Bildungsaktivitäten auf allen Ebenen und für eine Vielzahl von Zielgruppen zu verbessern. Ziel der Diskussionen in dieser Arbeitsgruppe war es, Konzepte und Massnahmen zu erarbeiten, um diese Informationslücke zu schliessen.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse sind in der dritten «Davos Declaration» zusammengefasst. Sie widerspiegelt den aktuellen Stand der Forschung, Edukation, Versorgung und Wissensvermittlung und zeigt konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation in der Allergologie auf.

 
19. August 2015  

Nicht-allergene Pollenbestandteile können Allergien verstärken

Im Rahmen einer von CK-CARE massgeblich unterstützten Studie haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der TU München einen neuen Mechanismus entdeckt, wie nicht-allergene Polleninhaltsstoffe Allergien verstärken können. Dabei spielen vor allem die so genannten B-Zellen eine entscheidende Rolle. Bisher war angenommen worden, dass eine allergiefördernde Wirkung von nicht-allergenen Pflanzeninhaltsstoffen hauptsächlich durch Dendritische Zellen vermittelt wird. Der neu entdeckte Mechanismus über B-Zellen eröffnet daher eine andere Sicht auf diese Thematik und bietet neue Ansatzpunkte für die Entwicklung von Therapien bei allergischen Erkrankungen.

„Da die Polleninhaltsstoffe möglicherweise auch von klimatischen Faktoren abhängig sind, wollen wir künftig gemeinsam mit dem Institut für Biochemische Pflanzenpathologie (BIOP) beobachten, ob sich veränderte klimatische Bedingungen auf die B-Zell-vermittelte Allergenität von Pollen auswirken“, kommentiert Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin von CK-CARE.

Zum Artikel: Helmholtz Zentrum München

 
8. August 2015  

Mindfulness – neue Wege in der Juckreizforschung

Der quälende Juckreiz bei Neurodermitispatienten ist in der Therapie eine grosse Herausforderung für Patient und Behandler. Neben vielen anderen Einflussfaktoren kann sich auch Stress negativ auf den Verlauf der Neurodermitis auswirken. Achtsamkeitsbasierte Interventionen (MBSR, Mindfulness Based Stress Reduction Programs) können nachgewiesenermassen Stress und Stressfolgen reduzieren. Daher geht eine von CK-CARE initiierte Studie der Frage nach, ob sich die Achtsamkeitspraxis positiv auf den Krankheitsverlauf der Neurodermitis und den Juckreiz auswirken kann.

 

Im Rahmen einer Pilotstudie wurde zusätzlich zu den dermatologischen State-of-the-Art-Interventionen ein klassisches MBSR Programm sowie ein Neurodermitistraining mit Elementen achtsamkeitsbasierter Stressreduktion bei Neurodermitis-Patienten im Sinne einer gesundheitsförderlichen Massnahme durchgeführt. Ziel war es, die Machbarkeit (Akzeptanz des Programmes, Dropoutanalyse, etc.) zu überprüfen sowie erste Hinweise zur Wirksamkeit beider Programmkomponenten einzeln und im Vergleich zu erhalten.

Die Pilotstudie basierte auf einem klassischen Prä-Post Vergleich von zwei achtsamkeitsbasierten Programmen mit n = 10 und n = 9 Teilnehmenden. Darüber hinaus wurden im Sinne einer katamnestischen Erhebung Daten drei Monate nach der Intervention erhoben. Neben etablierten Messinstrumenten in der Dermatologie (SCORAD, DLQI, POEM) zwei etablierte Achtsamkeitsfragebögen (MAAS und FMI) sowie zwei Instrumente zur Erfassung von Stress und Belastung (PSQ und HADS) eingesetzt. Darüber hinaus kamen noch offene sowie spezifische Fragen zur Einschätzung von Nutzen und Wirksamkeit der Programme zum Einsatz.

Während sich bei den dermatologischen und psychologischen Messungen keine signifikante Veränderung zeigte, ist die selbsteingeschätzte Achtsamkeit in der ersten Gruppe signifikant angestiegen. In der zweiten Gruppe war hingegen ein Anstieg der Unachtsamkeit zu verzeichnen, was häufig in der Folge eines systematischen achtsamkeitsbasierten Programms beobachtet wird. Die Akzeptanz und subjektive Bewertung des Programms sowie die Zufriedenheit der Teilnehmenden fiel jedoch sehr positiv aus. 

Schlussfolgerung
Achtsamkeitsbasierte Interventionen im Sinne von gesundheitsfördernden Massnahmen sind für die symptomatische Behandlung von Juckreiz im Sinne der generischen Stress- und Symptomreduktion sinnvoll und erfolgsversprechend. Die Mehrheit der Teilnehmenden berichten, dass ihnen das Programm geholfen hat, mit den Symptomen der Erkrankung besser umzugehen.

 
7. Juli 2015  

Eine neue Behandlungsmethode bei Allergien

Forscher vom Schweizerischen Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) in Davos, von der Universität Tokio, dem RIKEN Forschungsinstitut in Yokohoma und der Stanford-Universität haben einen Mechanismus entdeckt, der die Grundlage für eine neue Therapie sein könnte. 

Lebenslang müssen die meisten Menschen mit Allergien Medikamente nehmen, denn ihr Körper hält Proteine aus der Umwelt für so fremd, dass er dagegen eine Abwehrreaktion einleitet. Bislang ist es nicht gelungen, eine Therapie zu entwickeln, die dem Körper «abgewöhnt» überempfindlich zu reagieren. 

 

Eine grosse Rolle bei Allergien spielen Mastzellen: Sie schütten auf den allergischen Reiz – etwa Hausstaubmilben oder Pollen – eine Reihe von Botenstoffen aus, die einen Entzündungsprozess in Gang setzen. Studienleiter Hideaki Morita und sein Team im SIAF Davos entdeckten, dass Mastzellen nicht nur „Bösewichter“ sind, sondern auch eine „gute Seite“ haben: Sie schütten den Botenstoff Interleukin-2 aus, der zur Produktion bestimmter Immunzellen führte, den T-regulatorischen (Treg) Zellen. Die unterdrücken den allergischen Entzündungsprozess in den Atemwegen mit Hilfe des Botenstoffes Interleukin-10. 

Dass Treg-Zellen eine überschiessende Immunantwort und die daraus resultierende Entzündung bremsen können, ist schon länger bekannt. So verhinderten beispielsweise Injektionen mit Treg Autoimmunkrankheiten bei Mäusen. Doch für eine Therapie mit Treg-Zellen benötigt man viele dieser Zellen, die nicht einfach zu gewinnen sind. Im Blut sind nur wenige davon vorhanden, und im Labor sind sie schwierig zu vermehren. Mit Hilfe von Mastzellen könnten im Labor in grossen Mengen Treg einfach herzustellen sein. „Der Mechanismus, den wir entdeckt haben, könnte die Grundlage für eine neue Behandlungsmethode bei Allergien sein“, sagt Studienleiter Hideaki Morita.

Felicitas Witte

Quelle: Morita et al., An Interleukin-33-Mast Cell-Interleukin-2 Axis Suppresses Papain-Induced Allergic Inflammation by Promoting Regulatory T Cell Numbers, Immunity (2015), http://dx.doi.org/10.1016/j.immuni.2015.06.021

 
2. Juli 2015  

Sprecher-Wechsel im Direktorium von CK-CARE

Anlässlich der Juli-Sitzung des Verwaltungsrats der CK-CARE AG hat dieser turnusgemäss über die Besetzung der Position des Sprechers von CK-CARE beraten. Neu nominiert wurde Prof. Thomas Bieber (Bonn), welcher per 1. Juli 2015 dieses Amt von seinem Vorgänger Prof. Cezmi Akdis übernommen hat. Als stellvertretender Sprecher wurde Prof. Peter Schmid-Grendelmeier (Zürich) gewählt. 

 
18. Juni 2015  

Adenosin in Ambrosia-Pollen verstärkt Allergie

Das Beifussblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) produziert Pollen, die starke allergische Reaktionen wie Asthma auslösen können. Ein Forschungsteam um Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, die dem Direktorium von CK-CARE (Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education) angehört, konnte zeigen, dass das bisher bekannte Hauptallergen nur in Kombination mit dem ebenfalls im Pollen vorhandenen Stoff Adenosin so stark allergen wirkt.

 

Das Unkraut Ambrosia artemisiifolia ist eine invasive Pflanze aus Nordamerika, die für den Menschen zwei herausfordernde Eigenschaften hat: Sie breitet sich in Europa rasant aus - besiedelt auch Gebiete in der Schweiz - und ihr Pollen wirkt selbst in kleinsten Mengen allergiefördernd. Gelangen Ambrosia-Pollen in die Atemwege, lösen sie starke Entzündungen im Lungengewebe aus. Dies kann Atemprobleme oder sogar Asthma erzeugen. Als Hauptauslöser im Ambrosia-Pollen galt bisher ein Protein mit dem Namen «Amb a 1». Gegen diese Substanz entwickeln viele Menschen, die mit Ambrosia-Pollen in Kontakt gekommen sind, Antikörper – was grundsätzlich ein Schutzmechanismus des Körpers gegen unerwünschte Stoffe oder Erreger ist, der aber bei einer Allergie fälschlicherweise angestossen wird. 

Doch offenbar ist das Protein Amb a 1 nicht alleine für die entzündliche Wirkung des Ambrosia-Pollens verantwortlich, wie ein Team um Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Institutes für Umweltmedizin an der Technischen Universität München (UNIKA-T, TUM) und Direktionsmitglied von CK-CARE (Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education) zeigt: «Erst in Kombination mit Adenosin, das ebenfalls im Ambrosia-Pollen enthalten ist, wird dieser hochallergen», so Prof. Claudia Traidl-Hoffman. 

Die Suche nach dem unbekannten Stoff
Die Wissenschaftler untersuchten gemäss Medienmitteilung der TUM, wie verschiedene Bestandteile des Pollens auf Lungengewebe wirkten. Anschliessend wurde das Lungengewebe auf entzündliche Merkmale – etwa auf das Vorhandensein spezieller Immunzellen - untersucht. Getestet wurden zum einen der gesamte Pollenextrakt oder das Protein Amb a 1, zum anderen das Pollenextrakt ohne Proteine. Das Resultat war überraschend und aufschlussreich, wie Prof. Claudia Traidl-Hoffmann ausführt: «Nur der Gesamtextrakt löste einen allergischen Effekt aus – womit klar war, dass neben dem Protein Amb a 1 noch eine andere Substanz für die allergene Wirkung des Pollens sorgen muss.»

Als interessanter Kandidat für den Stoff X kam Adenosin in Frage. Die Forschenden hatten diesen bereits in hoher Konzentration in Birkenpollen nachgewiesen und er ist auch im Ambrosia-Pollen in grossen Mengen vorhanden. Die Hypothese wurde zum Volltreffer: Nachdem Adenosin aus dem gesamten Pollenextrakt entfernt worden war, traten nur noch sehr geringe Entzündungszeichen auf. Wurde Adenosin alleine verabreicht, konnte ebenfalls keine deutliche allergische Reaktion in der Lunge beobachtet werden. Das heisst: «Nur die Kombination der Stoffe verursacht eine allergische Reaktion», folgert Prof. Claudia Traidl-Hoffmann.

Bald ein mögliches Mittel gegen allergisches Asthma?
Interessant dabei ist, dass Adenosin ja auch natürlich im menschlichen Körper vorkommt. Es ist an vielen Prozessen beteiligt und fast alle Zellen tragen Erkennungsmoleküle für Adenosin auf der Oberfläche. Und wie verstärkt Adenosin schliesslich eine allergische Reaktion? «Pollen-Adenosin bindet an die körpereigenen Rezeptoren und kann in Kombination mit anderen Stoffen Allergien auslösen», erklärt Prof. Claudia Traidl-Hoffman. Die Forschergruppe nennt dieses Phänomen «Cross-Kingdom Signalling», bei dem pflanzliche Botenstoffe an menschliche Rezeptoren binden. 

Die Ergebnisse der Studie sind auch vielversprechend in Bezug auf die Therapie: Da sogenannte Adenosin-Rezeptor-Gegenspieler als Medikamente gegen Asthma helfen können, indem sie die Adenosin-Rezeptoren im Körper blockieren, ist dieser Aspekt auch für die Forschung rund um die Pollen-Allergie wichtig. «Die Daten zeigen, dass Adenosin gerade bei der Verschlechterung einer allergischen Reaktion eine zentrale Rolle spielt. Somit könnte man durch eine Blockade der Adenosin-Rezeptoren womöglich die Entzündungsreaktion hemmen», so die Ärztin und Forscherin.

Publikation:
M. Wimmer, F. Alessandrini, S. Gilles, U. Frank, S. Oeder, M. Hauser, J. Ring, F. Ferreira, D. Ernst, J. B. Winkler, P. Schmitt-Kopplin, C. Ohnmacht, H. Behrendt, C. Schmidt-Weber, C. Traidl-Hoffmann, J. Gutermuth, Pollen-derived adenosine is a necessary cofactor for ragweed allergy, Allergy, Mai 2015.
DOI: 10.1111/all.12642

 
6. Juni 2015  

Kinder, Allergie, Ernährung und Umwelt

Heute leiden etwa 30% der Kinder unter Allergien. Oft beginnen diese mit einem sogenannten «Kinderekzem» – der Neurodermitis – bereits im Säuglingsalter. Manchmal verschwinden die Allergiesymptome wieder, manchmal verschlechtert sich der Zustand und es treten zusätzliche Symptome auf, d.h. es können sich Heuschnupfen, Asthma und Lebensmittelallergien entwickeln. 

 

Was verhindert die Entstehung einer Allergie im Kindesalter?
Dieser zentralen Frage wird in einem CK-CARE Forschungsprojekt nachgegangen. Aus welchem Grund entwickelt unser Immunsystem eine fehlgeleitete Entzündungsreaktion auf harmlose Stoffe, die uns täglich umgeben und die uns eigentlich nicht schaden? Unser moderner Lebensstil leistet der Allergieentwicklung auf jeden Fall Vorschub, so viel ist bekannt. Unsere Ernährung, die Abkehr von der landwirtschaftlichen Lebensweise, übertriebene Hygiene, der Einsatz von Medikamenten usw. spielen zusammen. Wie CK-CARE – und andere Forschungsteams weltweit – festgestellt haben, spielt die Ernährung im frühesten Kindesalter jedoch eine ganz entscheidende Rolle ob eine Allergie entsteht oder nicht. Dem Verdauungstrakt fällt dabei eine massgebende Bedeutung zu. Da das Wissen in diesem Bereich noch sehr beschränkt ist, führt CK-CARE eine sogenannte Beobachtungsstudie zur Allergieentwicklung im Kindesalter durch. 

Neugeborene Kinder bis zum Alter von 3 Jahren werden beobachtet: dazu gehört ein sogenanntes «Ernährungstagebuch», die Umweltbedingungen werden erfragt und die Kinder regelmässig auf Allergiesymptome untersucht. Die Keim-Besiedelung von Haut, Rachen und Darm wird ermittelt, und die Funktion der Abwehrzellen im Körper analysiert, es werden Atemtests durchgeführt und die Muttermilch wird untersucht. Die von den Probanden ausgefüllten Fragebögen werden gescannt, die Daten werden ausgelesen und dann anonymisiert in die zentrale CK-CARE-Studiendatenbank überspielt. 

Gezielte Testung im Labor von Substanzen, die möglicherweise Allergien unterdrücken
Aufgrund früher Forschungs-Arbeit könnten mit kurzkettigen Fettsäuren (z. B. Bestandteile von Butter) Allergien behandelt werden. Das Team hat nun in Zusammenarbeit mit dem SIAF, Davos im Labor untersucht, ob schon eine Behandlung während der Schwangerschaft hilfreich sein könnte. Zusätzlich wurden Experimente durchgeführt, um eine mögliche Wirkung dieser Fettsäuren auf Darmentzündungen zu untersuchen. 

Mehr Informationen: www.care-studie.ch

 
6. Mai 2015  

"Davos ist auf dem besten Weg zu einer Gesundheitsdestination zu werden"

Städteranking der BILANZ - Davos, Rang 46

Davos ist weit mehr als ein Paradies für Erholungssuchende, die ein umfangreiches Kultur- und Freizeitangebot erwarten. Die Stadt "ist auf dem besten Weg zu einer Gesundheitsdestination", sagt Landammann Tarzisius Caviezel. Stimmt, in der Ranking-Kategorie "Gesundheit" ist Davos schon heute die Nummer eins schweizweit.

 

Forschung und Entwicklung sind eine willkommene Ergänzung zu Tourismus und Gewerbe und helfen mit, dass auch Familien nach Davos ziehen oder da blei­ben. Knapp 7000 Arbeitsplätze sind es insgesamt, davon jeder dritte im Gastgewerbe, jeder achte in den Bereichen Gesundheit und Soziales. Nachdem die Lungensanatorien, von denen Thomas Mann in seinem 'Zauberberg' berichtet, durch die Erfindung des Penizillins überflüssig geworden waren, siedelten sich Institutionen zur Erforschung von Allergien und Asthma an. ...u.a. auch Organisationen wie CK-CARE!

Quelle: BILANZ 09/2015
www.bilanz.ch

 

 
5. Mai 2015  

Aktuellere Pollenflugdaten dank neuen Pollenmonitoren

Etwa 12 Millionen Menschen in Deutschland – fast jede siebte Person – leiden an akuten Symptomen einer Pollenallergie, welche von einer allergischen Rhinitis, also Heuschnupfen, bis zu anaphylaktischen Schocks reichen können. Diese Symptome sind an die Blütezeitpunkte allergener Pflanzen gekoppelt. Somit sind Allergiker auf tagesaktuelle Informationen zum Pollenflug angewiesen, um die tägliche Medikamentendosis und eventuelle Freiluftaktivitäten genauestens abzustimmen.

Seit Anfang April 2015 werden in Augsburg, genauer am Bayrischen Landesamt für Umwelt, Pollen mit dem Pollenmonitor BAA500 vollautomatisch gemessen. Dieser Monitor saugt zunächst die Umgebungsluft an und registriert anschliessend die darin vorkommenden Pollen mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent.


 

 

Eines der CK-CARE Forschungsprojekte beschäftigt sich am Universitären Zentrum für Gesundheits-wissenschaften am Klinikum Augsburg (UNIKA-T) mit der Pollenbelastung innerhalb der Stadt Augsburg. Die Ergebnisse dieser Forschung werden detailliertere Aussagen über die lokale Belastung durch Pollenallergene ermöglichen. Das vorrangige Ziel dabei ist, Allergikern und Ärzten zu helfen, präventive und therapeutische Massnahmen sinnvoll einsetzen zu können.

 

Bisher wurden herkömmliche Pollenfallen eingesetzt, um diese luftgetragenen Pollen zu messen. Solche Fallen saugen die Umgebungsluft mit den darin enthaltenen Pollen an und fixieren diese auf einem Klebeband. Die entsprechenden Bänder werden nach der Beprobung von Hand präpariert. Im Anschluss daran werden die Pollen unter einem Lichtmikroskop manuell ausgezählt. Dieser Vorgang ist zeitintensiv und darf ausschliesslich von speziell geschultem Personal durchgeführt werden. Aufgrund der Präparation des Klebebandes und des zeitintensiven Auszählens können relevante Daten frühestens einen Tag, im Normalfall jedoch erst zehn Tage, nach der Beprobung gewonnen werden. Mit der herkömmlichen Technik beruhen Pollenflugvorhersagen somit auf Daten, welche meist mehrere Tage alt sind.

Durch den neuen automatischen Pollenmonitor sind entsprechende Daten bereits drei Stunden nach der Gewinnung verfügbar und können somit für wesentlich aktuellere Vorhersagen genutzt werden.

 
27. April 2015  

​Müller Preis an Caroline Roduit

Der Stiftungsrat der Allergiestiftung Ulrich Müller-Gierok hat Dr. med Caroline Roduit (Mitarbeiterin WP4) aufgrund der interessanten und klinisch wichtigen Publikation zur Nahrungsmittelallergie bei Kindern mit dem diesjährigen Müller-Preis ausgezeichnet.

 
1. März 2015  

Prof. Peter Schmid-Grendelmeier neu Präsident der SGAI

An der diesjährigen Generalversammlung der Schweiz. Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI) in Basel wurde Peter Schmid-Grendelmeier zu deren neuen Präsidenten ernannt. Er wird dieses Amt für zwei Jahre von 2015 – 2017 ausüben. 

Peter Schmid-Grendelmeier war bereits seit mehreren Jahren im Vorstand der SGAI aktiv, so als früherer Präsident der Fachkommission der SGAI wie in den letzten Jahren auch als Verbindungsperson zu aha! Allergiezentrum Schweiz.

 

Die 1950 gegründete Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI) ist mit nahezu 600 Mitgliedern und verschiedenen Konferenzen eine auch internationale sehr breit anerkannte Organisation im Bereich der Allergologie und Immunologie.  Ziele der SGAI sind es, einerseits den Austausch zwischen Grundlagenforschern und klinisch tätigen Ärzten zu fördern, gute Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich der Allergologie und Immunologie zu fördern und zu einer guten Versorgung der von diesen Krankheiten betroffenen Patienten mit beizutragen.

 

 
31. Januar 2015  

CK-CARE Allergy Education Week 2015

Die zweite ALLERGY EDUCATION WEEK findet vom 7. bis 13. September 2015 wieder in Davos statt. Eine Möglichkeit für Ärzte und andere Fachpersonen aus dem Gesundheitssektor ihre Kenntnisse zum Thema Allergien zu erweitern.

Infos zum Programm und Anmeldung

 
5. Januar 2015  

Davoser Forschungsinstitut zieht in Hochgebirgscampus

Der Forschungsplatz Davos rückt zusammen. Das bekannte Institut für Allergieforschung zieht in die Hochgebirgsklinik.

Davos. – Die Davoser Hochgebirgsklinik konnte vor dem Konkurs gerettet werden und will sich als Allergieforschungs- und Klinik-Campus mit internationaler Ausstrahlung neu ausrichten. Dieses Vorhaben wird durch das renommierte Schweizerische Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) unterstützt.

 
Der Stiftungsrat dieses in Davos ansässigen Forschungsinstituts hat sich in einem Grundsatzentscheid einstimmig für die Übersiedlung des SIAF an den Standort der Hochgebirgsklinik ausgesprochen.
Projekt mit weltweiter Ausstrahlung
Mit dem Entscheid werde die Schaffung eines «Hochgebirgs-Campus Davos» für patientenorientierte allergologische Lehre und Forschung unterstützt, teilte das SIAF am Mittwoch mit. Damit ist die Hochgebirgsklinik ihrem Ziel, ein weltweit führendes Zentrum für translationale Medizin zu realisieren, wo Klinik und Forschung unter einem Dach zusammenwirken, einen wichtigen und grossen Schritt näher gerückt.
Der Umzug des SIAF mit seinen rund 50 Mitarbeitenden ist nach erster grober Planung für Mitte 2016 vorgesehen. (béz)
 
Quelle: suedostschweiz.ch
Datum: 11.09.2014, 06:30 Uhr
Webcode: 3154689

 

 

AGENDA

25. Oktober 2019, Kongresszentrum/Hochgebirgsklinik Davos
26. Oktober 2019, Kongresszentrum/Hochgebirgsklinik Davos
7. November 2019, Thalwil, Hotel Sedartis
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