1. November 2016  

Neue Asthmatherapie an der Hochgebirgsklinik Davos

Die Hochgebirgsklinik Davos als Partnerin des Allergiecampus Davos behandelt als Schwerpunkt allergische Erkrankungen. Das Klima in Davos ist gesundheitsfördernd und die Luft ist allergen- und schadstoffarm.

Asthma ist eine komplexe, sehr heterogene Krankheit mit verschiedenen Phänotypen der Atemwegsentzündung. Seit Juni 2016 wird in der Schweiz für Patienten mit sehr schwerem eosinophilen Asthma statt Kortison ein Interleukin5 Antikörper gespritzt. Bei Asthma mit starker eosinophiler Atemwegsentzündung hat sich das Konzept der Anti-IL-5- Therapie als klinisch nützlich erwiesen.


Die Therapie erhielt in der Schweiz ihre Zulassung im Juni 2016 und kann in besonderen Fällen einer schweren Asthma bronchiale zu einer deutlichen Symptomverbesserung führen und eine Senkung der Exazerbationsrate (Asthmaanfälle) bewirken. Am 11. August 2016 wurde einer Patientin an der Hochgebirgsklinik Davos mit schwerem eosinophilen Asthma erstmals ein Interleukin5 Antikörper (Mepolizumab) gespritzt. IL-5 ist ein Zytokin, das bei der Entwicklung, bei der Aktivierung, bei der Differenzierung und beim Überleben der Eosinophilen eine wichtige Rolle spielt.

Die Therapiekosten für Mepolizumab (Nucala) werden nach Indikationsstellung und Beantragung durch einen Lungenfacharzt bei Patienten mit einer bestimmten Untergruppe einer schwer behandelbaren Asthma bronchiale («eosinophiles Asthma») von den Kostenträgern übernommen.

Falls Sie detaillierte Information zu dieser Behandlung möchten, steht Ihnen Prof. Hans-Werner Duchna sehr gerne zur Verfügung. Der ärztliche Dienst der HGK unterstützt Sie auf Anfrage beim Anmeldeprozess oder bei den Formalitäten der Kostengutsprache.

Prof Dr. med. H.W. Duchna, Ärztlicher Direktor, Chefarzt Pneumologie/Allergologie
Tel. +41 81 417 33 13
hans-werner.duchna@hgk.ch
www.hochgebirgsklinik.ch

 
30. Oktober 2016  

Zelluläre und molekulare immunologische Vorgänge bei Neurodermitis-Patienten

Anlässlich des dritten Global Allergy Forum Davos verfassten die CK-CARE Direktoren zusammen mit einer Forschergruppe von international führenden Wissenschaftlern aus dem Bereich allergischer Hauterkrankungen, einen Artikel, der sich insbesondere auf die neuartigen Entwicklungen bei Neurodermitis konzentriert, und vor Kurzem im Journal of Allergy & Clinical Immunology veröffentlicht wurde. Das Journal widmete das Deckblatt dieser Ausgabe dem Thema Neurodermitis (Bild; Werfel et al., 2016: 138: 336-349).

Der Artikel greift folgende Themen auf: Hautbarriere bei Neurodermitis, Neurodermitis-Untergruppen, personalisierte Medizin, Mikrobiome, Veränderungen der Immunantwort, Allergen-spezifische IgE-Antikörper, Mechanismen von Juckreiz, Allergene und andere Umweltfaktoren und  Diagnose und Therapie.

Es gibt einen hohen ungedeckten medizinischen Bedarf, immunologische Endotypen von Neurodermitis zu definieren, da diese bedeutende Auswirkungen auf die bevorstehende Schichtung des Phänotyps von Neurodermitis und die daraus resultierenden gezielten Therapien in der Entwicklung der personalisierten Medizin haben. Untersuchungen über neuartige biologische Agenzien, die bei der Behandlung von Neurodermitis verwendet wurden, sind ebenfalls in dieser Übersicht dargestellt. Die klinische Wirksamkeit neuer immunologischer Ansätze unter Einsatz von biologischen Agenzien bei Patienten mit Neurodermitis belegt die Verwendung von Dupilumab (ein Antikörper, der die Erkennung von IL-4 verhindert). Derzeit ist eine Reihe von Studien mit anderen Arzneimitteln im Gange, die spezifisch auf die Immunsystem-Spieler zielen. Solche Ansätze könnten immunmodulatorische und damit positive klinische Auswirkungen auf den allgemeinen Hautzustand haben, ebenso wie auf die zugrunde liegende Immunabweichung, die bei Begleiterkrankungen eine Rolle spielen  Die Wirkung dieser immunologischen Behandlungen auf das gestörte Mikrobiom bei Neurodermitis-Patienten und bei Juckreiz, könnte weitere potentiell positive Erkenntnisse für die Behandlung liefern. 

Zur Artikel (PDF)

 
3. Oktober 2016  

Davos steht für starken Forschungsplatz ein

Mit deutlichem Mehr von 83% stellen sich die Davoser Stimmberechtigten hinter den geplanten Allergiecampus Davos auf dem Areal der Hochgebirgsklinik.

Bild: Quelle - OOS AG, Architekten, Zürich

In Davos Wolfgang kann der geplante Allergiecampus vorangetrieben werden. Mit 1955 Ja- zu 394 Nein-Stimmen befürwortete die Bevölkerung die Vorlage. An die Gesamtkosten von 18 Millionen Franken haben Bund und Kanton ein Darlehen in der Höhe von zwei Millionen in Aussicht gestellt. Um dieses Geld auszulösen, war allerdings eine Gemeindegarantie in gleicher Höhe nötig. Dieser hat das Volk nun zugestimmt.

Damit ist der Weg für das Projekt frei.

Davoser Zeitung - 27.09.2016

 
30. September 2016  

Bericht zum 7. CK-CARE Teamtreffen 2016

Wie jedes Jahr, haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des CK-CARE Konsortiums im September 2016 im Kongresszentrum Davos getroffen. Das Treffen war mit über 50 Teilnehmenden ein Höhepunkt des Forschungsjahres.


Thomas Bieber (Speaker von CK-CARE) anlässlich des CK-CARE Teamtreffens 2016

Dieses Jahr wurde neben einzelnen Berichten aus den Workpackages und verschiedenen Standorten das Augenmerk vor allem auf Erfahrungsaustausch und Weiterbildung gelegt. Letzteres wurde durch die Organisation von drei Workshops mit den zentralen Themen "Mikrobiom", "wissenschaftliches Schreiben" sowie "Statistik und Studiendesign" realisiert. Alle Teilnehmenden konnten alle drei Workshops im Rotationsverfahren besuchen und somit von den neuesten Entwicklungen in diesen drei ausgewählten Gebieten profitieren.

Vor dem Abendessen im Restaurant Spina durften die Teammitglieder eine spannende und unterhaltsame Festrede von Herrn Professor Ring aus München miterleben. Die Anwesenden erhielten dabei einen tiefen Einblick in die Mysterien der Allergie aus der Sicht und mit dem besonderen Humor von Herrn Professor Ring. Schliesslich konnte sich die Gesellschaft bei einem Nachtspaziergang mit Fackeln vom Restaurant zurück nochmals zu den vielen der einprägsamen Erfahrungen des Teamtreffens austauschen.

Das jährliche Teamtreffen ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil für den wissenschaftlichen Austausch, aber auch für den Zusammenhalt innerhalb des Forschungskonsortiums CK-CARE.

 
15. September 2016  

Pollenmonitoring online

Am 13 September 2016 hat das Bayerische Kabinett den Aufbau des weltweit ersten automatischen Pollenmonitoring Netzwerks (ePIN) im Rahmen der Initiative „Bayern Digital“ beschlossen (Pressemitteilung 253, Bayrische Staatskanzlei). Die Initiative, gemeinsam getragen durch die beiden Ministerien „Umwelt und Verbraucherschutz“ (StMUV) und „Gesundheit und Pflege“ (StMGP) basiert auf Vorstudien des Zentrums Allergie und Umwelt (ZAUM) der TU München, einem Partner von CK-CARE.

Das Netzwerk beinhaltet mehrere Neuerungen:

1. In einem Pilotansatz wurde ein maximales Netzwerk von 27 Pollenmonitoren in Bayern aufgebaut und ein Jahr lang betrieben. Damit konnte festgestellt werden, welche der Standorte ausreichen und für die Bestimmung des Pollenflugs in Bayern notwendig sind. Da Bayern in acht Pollenflugzonen unterteilt werden kann, genügen acht Stationen für eine zuverlässige Bestimmung. Somit konnten Aufwand und Kosten für das Pollenmonitoring reduziert werden.

2. In einer dreijährigen Untersuchung wurde die Eignung eines automatischen Pollenmonitors im Vergleich zu der klassischen, manuellen Methode (Mikroskopie) verglichen. Die Fehlerquote war bei beider Methoden in etwa gleich hoch aber unterschiedlicher Art. Der grösste Fehler des Automaten bestand darin, dass nicht alle Pollen erkannt (bei Abweichungen von der klassischen Erscheinungsform) und demzufolge als „unbekannt“ klassifiziert wurden. Durch vermehrte Benutzung des Systems wird sich die Erkennungssoftware automatisch nach und nach verbessern. Die manuellen Systeme bereits sind dagegen bereits optimiert und nicht mehr verbesserbar.

Das neue System wird von 2017 bis 2018 aufgebaut und soll ab 2019 im Dauerbetrieb laufen. Ähnliche Bestrebungen gibt es in der Schweiz, wobei dort der Monitor einer Schweizer Firma bevorzugt wird.

Die Vorteile des Systems für den Patienten sind enorm: Die Krankheiterreger der Volkskrankheit Pollenallergie oder „Heuschnupfen“ “ (über 80% der Allergiker sind Pollenallergiker) werden mit diesem System online sichtbar gemacht und bieten Patienten die Möglichkeit auf die Auslöser ihrer Krankheit gezielt zu reagieren, besonders weil das System eine viel genauere Pollenflugvorhersage als bisher erlaubt.

Abb. 1. (A) Prof. Dr. Jeroen Buters (ZAUM) bei einem automatischen Pollenmonitor (BA500 der Firma Hund in Wetzlar, Deutschland) und
(B) das geplante Pollenmonitoring Netzwerk in Bayern, eine Kombination von manuellen Pollenfallen (historische Stationen, blau) und neuen, automatischen Pollenmonitoren (rot).

Jeroen Buters 1,2
1     ZAUM- Zentrum Allergie & Umwelt, Helmholtzzentrum München/Technische Universität München
2     CK-CARE, Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education, Davos

 
4. August 2016  

Interaktive Halbtages-Workshops für Grundversorger in der Hausarztpraxis. 

Allergien gehören zu den häufigsten Leiden der heutigen Zeit. Ärztinnen und Ärzte in der Grundversorgerpraxis haben eine zentrale Rolle bei der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Allergien. Sie sind oft ihre erste Anlaufstelle. Die rechtzeitige und korrekte Diagnose – speziell auch bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten  ist die Grundlage für eine patientenspezifische Behandlung und das Erkennen von Verschlechterungen der allergischen Erkrankung. 

In  zwei  Halbtages-Workshops lernen Sie  aktiv praxisrelevantes Grundlagenwissen und Fähigkeiten, damit  betroffene Patienten im Alltag entsprechend, informiert, behandelt und begleitet werden können.

Weitere Infos und Online-Anmeldung

 
17. Juni 2016  

Auszeichnung für Prof. Cezmi A. Akdis 

Prof. Dr. Cezmi A. Akdis, Direktor des Schweizerischen Instituts für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) in Davos, Professor der Medizinischen Fakultät an der Universität Zürich sowie Direktoriumsmitglied von Christine Kühne - Center for Allergy Research and Education (CK-CARE) in Davos erhielt am Kongress der Europäischen Akademie für Allergie und Klinische Immunologie (EAACI) in Wien den ehrenhaften Paul Ehrlich Preis 2016 für seine experimentellen Forschungen auf dem Gebiet von Allergien und Immunologie. 

EUROPEAN ACADEMY OF ALLERGY & CLINICAL IMMUNOLOGY

 
15. Mai 2016  

Jahresbericht 2015 der CK-CARE

Auch 2015 kann CK-CARE auf eine erfolgreiche Tätigkeit und wichtige Resultate verweisen, die auch Wirkung für Allergiebetroffene zeigen.

So konnten wesentliche Fortschritte im Bereich der Messung von Allergieauslösern und Umwelteinflüssen erzielt werden. Die für den Schutz gegen Allergieauslöser zentrale Barrierefunktion der Haut konnte weiter verstanden und in Versuchen therapeutisch wirksam verbessert werden. CK-CARE konnte Faktoren identifizieren, die es erlauben, gefährdete Kinder zu identifizieren und rechtzeitig vor einer Allergieentwicklung zu schützen. Zudem wurden Nahrungsbestandteile entdeckt, die präventive Wirkung aufweisen und in Zukunft zur Verhinderung von Allergien eingesetzt werden können. Die Ausbildung von ärztlichen Grundversorgern als, neben der Forschung zweiter wichtiger Pfeiler der Aktivitäten von CK-CARE, wurde weiter ausgebaut und durch konsequente Evaluation konstant optimiert. Zudem konnte 2015 zum dritten Mal mit grossem Erfolg das Global Allergy Forum durchgeführt werden.

Lesen Sie mehr über die Arbeiten in den CK-CARE Forschungsgruppen und die Aktivitäten in der CK-CARE Edukation im letzten Jahr.

Jahresbericht 2015 der CK-CARE

 
5. Mai 2016  

Identifizierung von neuen Effektor-B-Zell-Subgruppen und ihre Rolle in allergischen Erkrankungen 

B-Zellen spielen im menschlichen Immunsystem eine wichtige Rolle, denn sie sind die Zellen, die Antikörper produzieren. Kürzlich wurde durch ein Forschungsteam am SIAF von Prof. Cezmi Akdis (Workpackage 2) dokumentiert, dass B-Zellen - nebst ihrer Rolle als Antikörper-produzierende Zellen - durch die Produktion von Zytokinen als Regulatoren der Immunantwort fungieren können. Es wurden bestimmte Untergruppen von B-Zellen identifiziert, die bestimmte Zytokine produzieren. Beispielsweise produzieren regulatorische B-Zellen das anti-inflammatorische Zytokin Interleukin-10 und so vor Autoimmunerkrankungen und allergischen Entzündungen schützen können. 

Ziel dieser Studie ist die Identifizierung von neuen humanen Zytokin-produzierenden B-Zellen-Untergruppen und die Erforschung ihrer Rolle in der Immunregulation. B-Zellen lassen sich für längere Zeiträume nicht in vitro kultivieren. Deshalb haben wir die Zellteilung der B-Zellen unterdrückt, indem wir die Produktion zweier spezifischer Gene (BCL-6 und BCL-xL) erhöht haben. Das Verfahren der Unterdrückung der Zellteilung und der Erhöhung der Produktion bestimmter Proteine nennt sich Überexpression. Damit können wir langlebige B-Zellen bilden. Um die einzelnen B-Zellen charakterisiert zu können, haben wir einzelne Zellen isoliert und B-Zellklone generiert. Dann haben wir mittels Next-Generation-Sequencing (Bestimmung der Nukleotidabfolge der RNA) die Genaktivität dieser Klone detailliert untersucht. 

Identifikation von Zytokin-produzierenden B-Zellen-Untergruppen. Mittels Next-Generation-Sequencing wurde die RNA-Expression von 32 identischen B-Zell-Klonen gemessen. 6 Klonen-Clusters produzieren ähnliche Zytokine. B-Zell-Klone können demnach in jedem Cluster verschiedene spezifische Funktionen für die Regulierung der Immunantwort haben.

Damit wir neue Effektor-B-Zellen-Subtypen, die spezifische Zytokine produzieren, identifizieren konnten, mussten wir die einzelnen B-Zell-Klone anhand ihrer Zytokinexpression gruppieren. Nach diesem Ansatz haben wir 6 Klongruppen identifiziert, die bestimmte Zytokinprofile exprimierten, d.h bestimmte Zytokine aktivierten. Einige dieser Zytokinprofile (ein Expressionsprofil zeigt, was die Zelle tatsächlich gerade tut) ähnelte bereits zuvor beschriebenen Untergruppen von Effektor-B-Zellen, wie die Interferon-gamma-produzierenden B-Zellen und die Interleukin-10-produzierenden regulatorischen B-Zellen. Das Interferon ist ein Protein, das eine immunstimulierende, vor allem antivirale Wirkung entfaltet; das Interleukin ist ein antiinflammatorischwirkendes Zytokin, das im Körper ablaufende Entzündungsreaktionen hemmt.  Zusätzlich fanden wir weitere Clusters mit verschiedenen Zytokinprofilen, die bis anhin noch nicht beschrieben worden sind. Derzeit arbeiten wir daran, eine detaillierte Charakterisierung dieser neuen B-Zellen-Subgruppen durchzuführen, damit ihre potentielle Rolle in allergischen Erkrankungen bewertet werden kann.

 
21. April 2016  

Themenheft «Basiswissen Allergie»

Mit «Basiswissen Allergie» stellt CK-CARE (das Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education mit Sitz in Davos) in lockerer Folge Themenhefte zur Verfügung. In diesen Heften werden aktuelle Erkenntnisse aus der Allergieforschung für Grundversorger in der Haus- und Kinderärztepraxis präsentiert. «Basiswissen Allergie» soll aber auch zur Information für Patientinnen und Patienten in der Praxis aufgelegt werden können. 

In der Ausgabe Nr. 3 - März 2016 finden Sie unter anderem «praktische Tipps zum richtigen Vorgehen bei Anaphylaxie - wie sie Anaphylaxien rasch erkennen und richtig darauf reagieren» und Artikel zu den Themen «Allergieprävention - was Sie Eltern raten können», «Allergenspezifische Immuntherapie - wann ist 'Hypersensibilisierung' sinnvoll? 

 

Titel, Vorwort und Inhaltsverzeichnis

Sie können die die aktuelle Ausgabe «Basiswissen Allergie» gratis bestellen.
Bitte senden Sie eine E-Mail mit Ihrer Postadresse an: info@ck-care.ch 

 
 
7. April 2016  

In-vivo-Studie belegt: Niedermolekulare, nicht-allergene Pollensubstanzen verstärken die allergenspezifische Immunantwort beim Menschen 

Ein Wissenschaftsteam um Dr. Stefanie Gilles, Dr. Isabelle Beck und Prof. Claudia Traidl-Hoffmann (Mitglied des Direktoriums und Koordinatorin im Workpackage 1 von CK-CARE) vom Lehrstuhl und Institut für Umweltmedizin hat an Hand von Haut-Pricktests und nasalen Provokationstests die klinische Relevanz niedermolekularer Pollensubstanzen in vivo nachgewiesen. 

Die Wissenschaftler testeten Effekte von Allergenen aus Birken- und Gräserpollen mit und ohne Zusatz niedermolekularer Pollensubstanzen.
Im Rahmen der Studie wurden Haut-Pricktests und nasale Provokationen an gesunden und allergischen Probanden durchgeführt. Für die Tests kamen Allergene aus Birken- und Gräserpollen zum Einsatz. Die Pollenallergene wurden dafür entweder in einer Kochsalzlösung oder mit einer niedermolekularen Fraktion des Pollenextrakts präpariert. Die Haut-Pricktests ergaben dann eine stärkere allergische Immunreaktion (Quaddeln, Rötung), wenn die niedermolekulare Pollenfraktion beigefügt war. Bei den nasalen Provokationstests verstärkten die niedermolekularen Pollensubstanzen die lokale Freisetzung von Interleukin-8 (IL-8) und Immunglobulin E (IgE). Eine vermehrte Nasensekretproduktion wurde in derjenigen Studiengruppe festgestellt, bei welcher die niedermolekulare Pollenfraktion beigemischt war. Beobachtet wurde außerdem stärkeres Naselaufen und Augenjucken, erhöhter Niesreiz sowie weitere verstärkte Symptome. Gesunde Probanden reagierten in der Studie nicht messbar auf die Pollensubstanzen. Und zwar weder in Pricktests der Haut noch in nasalen Provokationen. 

Nahaufnahme Nasenepithel

Die Studienergebnisse könnten die Allergiediagnostik und allergenspezifische Immuntherapie verändern.
Das Forscherteam um Gilles hat mit dieser Pilotstudie entscheidende Vorarbeit für zukünftige klinische Studien geleistet. In diesen sollte die Wirkung niedermolekularer, nicht-allergener Substanzen aus Pollen noch näher untersucht werden. Von klinischer Bedeutung könnten nicht-allergene Substanzen insbesondere in der Allergiediagnostik und bei der allergenspezifischen Immuntherapie („Hyposensibilisierung“) sein. Denn dort kommen derzeit Pollenextrakte zum Einsatz. Ob und in welchen Mengen diese aktuell verwendeten Extrakte entzündungsfördernde Substanzen enthalten, ist bisher nicht ausreichend untersucht worden.

Die hierzu am 07.04.2016 in der Fachzeitschrift Clinical and Experimental Allergy erschienene Publikation mit dem Titel „Pollen derived low molecular compounds enhance the human allergen specific immune response in vivo” wird daher bedeutsam für die zukünftige klinische Allergieforschung sein. 

 
15. März 2016  

Davos Declaration Nr. 3

Bereits zum dritten Mal fand in Davos das von CK-CARE initiierte Global Allergy Forum statt. Vom 28. Juni bis zum 1. Juli 2015 diskutierten rund 70 weltweit renommierte Wissenschaftler aus dem Gebiet der Allergologie und verwandten Disziplinen über Herausforderungen und Lösungsansätze zum Thema «Atopische Dermatitis/Ekzem». 

Die Ergebnisse und Erkenntnisse wurden in der dritten «Davos Declaration» zusammengefasst und im Journal "Allergy" (European Journal of Allergy and Clinical Immunology)  veröffentlicht. Sie wiederspiegelt den aktuellen Stand der Forschung, Edukation, Versorgung und Wissensvermittlung und zeigt konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation in diesem sehr dynamischen Bereich der Forschung und Krankenversorgung auf. Neben diesem Bericht, sind noch weitere Übersichtsarbeiten aus den Arbeitsgruppen der Tagung in Bearbeitung.

"Allergy" (European Journal of Allergy and Clinical Immunology) - Global Allergy Forum and 3rd Davos Declaration 

 
29. Februar 2016  

Erfolgreiche interdisziplinäre Kooperation der Mikrobiologie und der Allergologie – von der Feldforschung zur „cutting edge“ Molekularbiologie

Pollen besitzen ein für jede Pflanzenart spezifisches Mikrobiom!
Die Anzahl und Schwere der Erkrankungen auf Grund von Pollenallergien steigt stetig an. Inzwischen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die pflanzeneigenen Abwehrmechanismen gegen Umweltfaktoren, wie etwa Abgase oder ungünstige mikrobielle Überbelastung, einen entscheidenden Anteil an der Allergenität von Pollen und Pollenbeisubstanzen tragen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Mikroben an sich noch keine negative Auswirkung auf Pflanzen (und Menschen) haben. Vielmehr scheint die „richtige Mischung“ (Diversität) von Mikroben entscheidend für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zu sein. Die unten genannte Publikation beschreibt zunächst, welche unterschiedliche Art und Anzahl von Mikroben auf Birken- und Gräserpollen sitzen. Beschrieben werden einerseits die Unterschiede im Pollenmikrobiom zwischen verschiedenen Pflanzenarten und zum anderen die Unterschiede zwischen dem Pollenmikrobiom der gleichen Pflanzenart, aber unter dem Einfluss verschiedener Umweltfaktoren wie etwa Standort und Schadstoffbelastung. In einem zweiten Schritt wurden mögliche Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung, Pollenmikrobiom und der Allergenität von Pollen hergestellt.

Wenn wir die Umwelt weniger schädigen, wird auch die Allergenität von Pflanzenpollen sinken.
In diesem Zusammenhang konnte das Forscherteam feststellen, dass eben genau die Luftverschmutzung (Verkehrsbelastung) und eine „schädliche mikrobielle Belastung“ die Allergenität von Pollen negativ beeinflusst – es wird also mehr Allergen freigesetzt. Ziel ist, nunmehr zu verstehen, was Pollen dazu bewegt, mehr Allergen frei zu setzen und welche Mikroben hier als „Trigger“ (auslösende Faktoren) fungieren. Klar scheint zu sein, dass die Allergenproduktion und Allergenfreisetzung eine Abwehrreaktion darstellt – eine Art Stresssituation, die das Überleben der Pflanze sichern soll. Durch ein nachhaltiges Umweltmanagement muss die Pflanzenwelt in der Zukunft positiver beeinflusst werden, damit Pflanzen weniger (krankheitsverursachendes) Pollenallergen produzieren und somit die Patienten weniger Symptome haben und weniger Allergien entstehen.

Nahaufname Birkenpollen

Im Februar 2016 konnte für den Bereich der Medizin im international hoch gelisteten Fachjournal PLOS One die entsprechende Publikation „Pollen-Associated Microbiome Correlates with Pollution Parameters and the Allergenicity of Pollen“ (Erstautorin: Andrea Obersteiner) erfolgreich veröffentlicht werden. Die Publikation ist das Ergebnis einer ausgezeichneten interdisziplinären Kooperation zwischen dem Institut für Umweltmedizin am UNIKA-T und der Abteilung Mikroben-Pflanzen Interaktion am Helmholtz Zentrum München. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Instituts für Umweltmedizin Stefanie Gilles, Isabelle Beck und Franziska Häring sowie Institutsdirektorin Claudia Traidl-Hoffmann freuen sich, durch ihre Forschungsleistungen einen bislang einmaligen Beitrag für das Verständnis über den Zusammenhang zwischen Mikrobiom, Luftverschmutzung und Pollenallergenität geleistet zu haben.

 
26. Januar 2016  

Allergien in der Grundversorgerpraxis: wie angehen?

Anlässlich des 55. Ärztefortbildungskurs 2016 der Lunge Zürich im Kongresszentrum Davos fanden am 8. Januar unter der Leitung von CK-CARE Direktor, Prof. Peter Schmid-Grendelmeier zwei Spezialkurse zum Thema Allergien in der Grundversorgerpraxis statt. 


Anhand von interaktiven Fallbeispielen und kurzen Referaten zu Atemwegsallergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Insektengiftallergien und Medikamentenintoleranzen erhielten die 84 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer wertvolle Informationen zur Erkennung der Symptome und deren Behandlung. 

 
4. Januar 2016  

Einfluss des Mikrobioms auf Allergien und Neurodermitis

Allergien werden nicht nur durch bekannte Reizstoffen verursacht. In Pollen haben Wissenschaftler Mikroben entdeckt, auf die Allergiker ebenfalls reagieren könnten. 

Eine Sendung zur aktuellen Studie von Frau Prof. Traidl-Hoffmann  und dem CK-CARE Forschungsteam am Institut für Umweltmedizin und Klinikum Augsburg.

Sendung vom 3.12.2015 im SWR Fernsehen (odysse - SWR Wissen)