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Die Allergie-Epidemie
In den letzten Jahrzehnten haben Allergien weltweit zugenommen. Die Anzahl von Asthma und anderen allergischen Erkrankungen haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Die Steigerung auf ein epidemisches Ausmass begann in den 1960er-Jahren in den industrialisierten Ländern und etwas später auch in den Entwicklungsländern. Heute sind bereits 20-30 Prozent der Weltbevölkerung von einer oder gar mehreren allergischen Erkrankungen betroffen. Dazu gehört die teilweise lebensbedrohliche Anaphylaxie (allergischer Schock), Nahrungsmittelallergien, Neurodermitis, Urtikaria (Hautausschläge), Heuschnupfen, Konjunktivitis (Bindehautentzündung des Auges), Medikamenten- und Insektengift-Allergien.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt voraus, dass im Jahr 2050 mindestens 50 Prozent der Weltbevölkerung von Allergien betroffen sein wird. Insbesondere bei Kindern ist die Krankheitshäufigkeit erhöht.

Warum  nehmen allergische Erkrankungen zu?
Dies weiss man noch nicht genau, doch werden immer mehr Faktoren identifiziert, die für die Entwicklung der letzten Jahrzente verantwortlich sind. Grundsätzlich kann jeder Mensch, ob jung oder alt, eine Allergie bekommen. Kinder, deren Eltern oder Geschwister bereits an Allergien leiden, haben ein höheres Risiko, ebenfalls allergische Reaktionen zu entwickeln.

Klar ist, dass wir heute in den Industrieländern durch bessere sanitäre und hygienische Einrichtungen „sauberer“ leben. Die sogenannte ‚Hygiene-Hypothese’ wurde im Jahr 1989 erstmals beschrieben. Sie stellt den Zusammenhang zwischen hohem Lebensstandard, hygienischen Bedingungen und weniger Infektionen im Kindesalter her. Umweltfaktoren spielen also eine wichtige Rolle. Das Immunsystem kommt bei unserem modernen Lebensstil mit weniger Bakterien und Viren in Kontakt und muss deshalb weniger Krankheiten bekämpfen. Es sucht sich daher neue Aufgaben und reagiert auf eigentlich harmlose Stoffe wie zum Beispiel Pollen. Bei Bauernkindern, die mit einem erhöhten Spektrum von Pilzen und Bakterien ausgesetzt sind, vermindert sich das Risiko, dass sie an Asthma erkranken.

Die Ernährung ist ein anderer, äusserst wichtiger Einflussfaktor, welcher sehr früh im Leben die Entwicklung des Immunsystems beeinflusst. Wie genau dies geschieht, ist eine hochaktuelle Frage in der Forschung. Welche Nahrungsmittel wir zu uns nehmen hängt eng mit der Diversität unserer Darmflora, also dem Spektrum der Mikroben, die in unserem Darm leben, zusammen. Eine verringerte Vielfalt (Diversität) der Darmflora im frühen Kindesalter ist mit einem erhöhten Risiko für allergische Erkrankungen verbunden. Ebenso ist eine geringe Nahrungsmittelvielfalt im ersten Lebensjahr mit allergischen Erkrankungen assoziiert. Dies konnten wir in einer mittlerweile abgeschlossenen Studie zeigen (www.efraim-online.com). 

Eine vielseitigere Kost hat schon im ersten Lebensjahr einen schützenden Effekt gegen Allergien. Wir haben auch festgestellt, dass das Risiko eine atopische Dermatitis (Neurodermitis) zu entwickeln, stark reduziert wird (bis zu 50%), wenn Joghurt im ersten Lebensjahr eingeführt wird. Diese Befunde weisen darauf hin, dass gewisse Nahrungsmittel, beziehungsweise die Variation an Kost (und Bakterien), grundlegend ist für die Entwicklung der Darmschleimhaut des Neugeborenen und somit auch der Immuntoleranz.

Der natürliche Verlauf von allergischen Erkrankungen
Der sogenannte ‚atopische Marsch’ (atopic march) beschreibt die klassische Abfolge der klinischen Symptome von allergischen Erkrankungen. In den ersten ein bis zwei Lebensjahren äussert sich eine Allergie typischerweise zuerst als Neurodermitis (atopische Dermatitis). Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die mit starkem Juckreiz verbunden ist und von welcher mehr als 20% der Kinder in den Industrieländern betroffen sind.  Wenn die Kinder älter werden, können sich allergische Erkrankungen der Atemwege wie Heuschnupfen oder Asthma entwickeln. Das Auftreten von allergischen Erkrankungen in der Kindheit ist jedoch kein Einwegprozess: Bei einigen Kindern verschwinden die allergischen Erkrankungen nach einiger Zeit wieder. Warum dies so ist, wissen wir noch nicht.  In neueren Studien wurden Asthma und atopische Dermatitis in verschiedene Erscheinungsbilder (Phänotypen) nach Alter des Einsetzens und dem natürlichen Verlauf klassifiziert.

Da es zurzeit keine Heilung von Allergien gibt, wird - oft über eine längere Zeit - symptomatisch behandelt. Die beste Lösung wäre, wenn man mit präventiven Massnahmen schon im frühesten Kindesalter die Allergieentwicklung verhindern könnte.