9. Juli 2020  

Staphylococcus aureus als Biomarker bei Neurodermitis

Der Grad der Besiedelung der Haut mit dem Bakterium Staphylococcus aureus kann herangezogen werden, um die kommende Entwicklung der Krankheitssymptome bei Patienten mit Neurodermitis (atopisches Ekzem) vorherzusagen. Dies fand ein Forscherteam von CK-CARE, Standort Augsburg heraus.

Neurodermitis oder ‚atopische Dermatitis’ ist die am weitesten verbreitete Hautkrankheit bei Kindern und gilt als Risikofaktor für die spätere Entwicklung von Allergien. Die Störung der Barrierefunktion der Haut geht im Falle des atopischen Ekzems mit einem besonders während der Entzündungsschübe erhöhten pH-Wert, einer dichteren Besiedelung mit dem Bakterium Staphylococcus aureus und einem Ungleichgewicht innerhalb des Mikrobioms, also des normalen Gleichgewichts der die Haut besiedelnden Bakterien und Pilze, einher. Die genauen Prozesse, die das Zusammenspiel dieser Faktoren beeinflussen sind jedoch noch weitgehend ungeklärt.

In einer Pilotstudie untersuchten die CK-CARE Forscher des Lehrstuhls für Umweltmedizin, Augsburg, die Entwicklungen der Bakterien der Haut, die Entwicklung physiologischer Parameter (pH-Wert, Feuchtigkeit und Flüssigkeitsverlustes über die Haut) und die Symptomstärke/Schweregrad des Atopischen Ekzems über den Zeitraum von 8 Wochen, in denen an Neurodermitis erkrankte und gesunde Personen täglich zwei Mal Lotionen verschiedener pH-Werte (pH 5,5 und pH 8,5) auf die Haut auftrugen.

 

Während sich der pH-Wert durch die aufgetragenen Cremes, gerade bei gesunden Personen, nur wenig beeinflussen liess, zeigte sich jedoch, dass eine hohe Bakteriendichte von S. aureus nur innerhalb eines relativ kleinen pH-Werte-Bereichs (pH 5,7-6,2) zu finden war. Bei den an atopischem Ekzem Erkrankten fanden sich zu Studienbeginn keine signifikant höheren pH-Werte, jedoch teilweise höhere Mengen von Staphylococcus aureus auf der Haut. Bei denjenigen Patienten, die eine hohe Konzentration bereits zu Beginn des Untersuchungszeitraumes aufwiesen verschlechterte sich das Krankheitsbild im Untersuchungszeitraum signifikant.

„Wir konnten zum ersten Mal in einer Längsschnittstudie nachzeichnen, wie sich das Mikrobiom der Haut in Verbindung mit physiologischen Parametern und der Symptomstärke des Atopischen Ekzems im Verlauf einer Behandlung mit verschiedenen Hautlotionen entwickelt,“ so Claudia Hülpüsch, Wissenschaftlerin am UNIKA-T und Erstautorin der Studie. Die Koinzidenz zwischen hoher Bakterienzahl und starker Ausprägung von Krankheitssymptomen wurde bereits mehrfach wissenschaftlich belegt. Zum ersten Mal konnte nun aber gezeigt werden, dass eine große Anzahl von Staphylococcus aureus-Bakterien eine Vorhersage über die Entwicklung der Krankheitssymptome ermöglicht. Weitere Studien sind notwendig, um die Belastbarkeit der Ergebnisse zu bestätigen. Die Auswertung unserer CK-CARE Daten und Biobank in Bezug auf das Hautmikrobiom wird hier weitere Antworten liefern. Claudia Traidl-Hoffmann, Sprecherin von CK-CARE und Hauptverantwortliche der Studie, fügt hinzu: „Finden sich diese bestätigt, könnten Patienten von der besseren Planbarkeit therapeutischer Maßnahmen enorm profitieren.“ 

Publikation:
Skin pH dependent Staphylococcus aureus abundance as predictor for increasing atopic dermatitis severity.
Hülpüsch C, Tremmel K, Hammel G, Bhattacharyya M, de Tomassi A, Nussbaumer T, Neumann AU, Reiger M, Traidl-Hoffmann C. Allergy. 2020 Jun 20.
doi: 10.1111/all.14461. Online ahead of print. PMID: 32562575